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"Es menschelt"

Es menschelt – eine der gängigen Pauschaldiagnosen, die Führungskräfte benennen, wenn es unrund läuft im Team. Konflikte, Egoismen, Missverständnisse oder auch einfach nur klare Standpunkte stecken für sie meist dahinter. Es ist nicht etwa so, dass diese Bemerkung mit Freude formuliert wird. Im Gegenteil, es hat oft einen gequälten Unterton nach dem Motto „Oh Gott, jetzt müssen wir uns menschlich auseinandersetzen“. Ja, frage ich da gerne mal, wie denn sonst?

Es menschelt bedeutet, dass Menschen aus der Reihe tanzen. Sind sie eben doch nicht bloß Rädchen in einer Maschine. Das aber ist leider immer noch ein gängiges Denkmuster. Das Unternehmen ist die Maschine, die Menschen sind die Rädchen. Und die sollen funktionieren, egal ob als Mitarbeiter, Führungskraft, Gesellschafter oder Vorstand. Ihrer Stellen- und Rollenbeschreibung gemäß handeln, sachlich, kompetent und angemessen. Emotionen und andere störende Facetten des Menschseins bitte in der Freizeit ausleben. In der Arbeitswelt geht es schließlich um die Sache.

Dieser Gedanke hält sich seit dem Industriezeitalter und ist auch ebenso lange blödsinnig. Genau wie in der Politik, wo die Herren Seehofer und Söder beispielsweise nicht müde werden zu behaupten, dass es ihnen persönlich und auch der gesamten CSU immer um die Sache geht. Geradezu bewundernswert, dass sie es schaffen diese Statements in eine Kamera zu sprechen ohne in grölendes Gelächter zu verfallen. Wie dem auch sei, ob Politik oder Unternehmen, wir tun so, als ginge es um Sachliches und wir könnten auf dieser Ebene zusammenarbeiten. Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, mit Verstand, Emotionen, Meinungen, Sichtweisen, Sorgen, Motiven und all den „Unsachlichkeiten“, die uns ausmachen. Wir begegnen uns immer auf dieser Ebenen, es geht gar nicht anders. Es ist genau die zwischenmenschliche Ebene, die Teams bildet. Zusammenarbeit ist menschliches Miteinander. Es menschelt ständig, ohne Unterlass. Das als Ausnahme oder gar Störung zu betrachten setzt einen schwierigen Fokus auf gemeinsames Arbeiten. Und es schafft eine Ambivalenz, die immer mehr Menschen wahrnehmen und als kräftezehrend benennen.

Menschen wollen als Menschen gesehen werden, nicht als Ressource, MAK oder FTE. Zudem entsteht Erfolg aus Zusammenarbeit von Menschen, die aber sprachlich nicht aus-, sondern weggedrückt wird. Und da genau liegt ein großer Hebel, um das Dilemma zu verlassen – in der benutzten Sprache und den besprochenen Themen. Fangen wir an über das „Wie“ der Zusammenarbeit zu sprechen und zu benennen, was wichtig ist für das Ganze und für die Einzelnen. Dazu verabreden wir eine Sprache, die den „Faktor Mensch“ als so selbstverständlich wichtig betrachtet, wie er ist. Tun wir doch einfach so, als wäre das menschliche Zusammenwirken der Schlüssel zum Erfolg. Dann spätestens bekommt der Ausspruch „Es menschelt“ einen positiven, willkommenden Unterton. Denn es menschelt, immer.

In diesem Sinne…bleiben Sie erfolgreich 

Erstellt von Stephanie Borgert am 14. Dezember 2017 - Keine Kommentare


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