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Agilitismus - gibt's da was von Ratiopharm?

Was als sinnvolles Denkmodell für Kundenzentrierung begann, ist längst zum Rezeptblock der Effizienzsteigerung verkommen. Kaum ein Unternehmen, das sich noch gar nicht mit Agilität beschäftigt hat. Die Early Adopter geben längst ihre Erfahrungen in Büchern, Videos und Bar Camps weiter. Die Beraterszene stürzt sich drauf, denn so gibt es tolle Erfolgsstories, die sich erzählen lassen. In vielen Organisationen, die diese Stories präsentiert bekommen ist jedoch der erste Reflex: „Das geht bei uns nicht, weil wir ganz anders sind.“ Willkommen in der komplexen Welt möchte ich da laut rufen. Es braucht schon einen Transfer auf den eigenen Kontext!

Die Early Adopter selbst erheben ihre Philosophie von Arbeit und Wertschöpfung nicht selten zum Maß aller Dinge, zumindest aber halten sie sich für das Tüpfelchen auf dem „I“. Das I sind die Bemühten, die vielen Unternehmen, die in Lab’s, Think Tanks oder Inkubatoren Inseln der Glückseligkeit schaffen. Auf denen darf agil gearbeitet, entschieden, entwickelt, geschätzt und gescheitert werden. Schade nur, dass selten eine Fährverbindung zwischen Insel und Festland der Unternehmensrealität verkehrt, und so wenig Transfer stattfindet.

Und dann wären da noch die Hinterherhechler. Jene, die den Begriff agil einfach für Alles verwenden, was vermeintlich die akuten Probleme der Organisation heilt. „Wir müssen agil werden, damit die Mitarbeiter endlich eigenverantwortlich arbeiten.“ „Wir müssen agil werden, damit wir kostenreduziert produzieren können.“ „Wir müssen agil werden, damit unsere Führungskräfte wieder bessere Bewertungen bekommen.“ So wird denn frei nach dem Motto der Rosinenpickerei ein bisschen agil gemacht, ein klein wenig Selbstorganisation betrieben und etwas Partizipation umgesetzt. Eines aber wird voll umfänglich getan, der agile Gedanke wird ad absurdum geführt.

Jetzt ließe sich darüber fabulieren, warum das so ist und wer dafür verantwortlich ist, nur hilft die Beantwortung dieser Frage auch nicht weiter. Deshalb an dieser Stelle lediglich ein Vorschlag: Vor der Anwendung von Agil bitte in Ruhe über Wirkungsweise und Nebenwirkungen informieren und sinnieren, dann die zu lösenden Probleme genau betrachten und bewusst entscheiden, ob und wie Agilität eine Lösung sein kann. Bitte dosiert anwenden und immer wieder beobachten, ergänzen, reduzieren etc. Sonst ist es in etwa so, als wären Sie beim Barfußlaufen in Etwas getreten, das nun einen Schmerz verursacht. Aus Angst davor, dass Sie den Anblick nicht ertragen, humpeln Sie zur nächsten Apotheke und lassen sich ein blickdichtes Pflaster verpassen, welches Sie sofort auf die ungereinigte Wunde kleben. Socken drüber, fertig! Das kann man so machen, das ist dann halt …

In diesem Sinne…bleiben Sie erfolgreich 

Erstellt von Stephanie Borgert am 15. Januar 2018 - Keine Kommentare


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