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Worte werden Wahrheit!

...Worte. Ich sitze vor einem Blatt Papier und versuche Worte über die Worte, Wortwahl und ihre Wirkung zu finden. Gar nicht so einfach. Wählen wir unsere Worte immer mit Bedacht, absichtsvoll, fahrlässig oder vermeintlich ohne Hintergedanken?

Nichts ist einfach nur ein Wort. Und auch dieser Satz hat mehrere Bedeutungen. Will sagen, ein Wort ist nicht einfach nur ein Wort. Es trägt Wissen, massiert und formt die Gedanken. Das Spiel heißt Framing und ist aktueller denn je. Und so denke ich nach, über die Wortwahl in der politischen Debatte (wobei das Wort Debatte hier auch falsch gewählt zu sein scheint):

Flüchtlingsstrom
Asylantenflut
Grenzen schützen
Ankerzentren
Asylstreit
Sekundärmigrant
Migrantenwelle
Asyltourismus

Das Wort Mensch kommt nicht vor. Auch in ausformulierten Sätzen der vielen Interviews nur selten. Stattdessen reden wir über Wellen, Flut und Streit. Alles Dinge, vor denen wir geschützt werden wollen/sollen. In steter Wiederholung werden die kleinen Giftgaben in unsere Köpfe geträufelt, um dort (meist) unbemerkt ihre Wirkung zu entfalten.

Unsere Realität entsteht durch die Art und Weise, wie wir über sie reden. Und jetzt gerade erlebe ich entmenschlichte Rhetorik, größtmögliche Distanzierung und Angstmacherei. Es wirkt. Geschichte wiederholt sich.

Abgrenzung, Ausgrenzung, DIE und WIR sind die gewollten Gedanken. Das "Die" bekommt kein Gesicht, keinen Namen, nur einen Sammelbegriff: Flüchtling. Längst weitestgehend assoziiert mit männlichen, auf Wohlstand hoffende Menschen. Flüchtling sind auch Frauen und Kinder. Geht es um das "Wir", ist gendergerechte Sprache, vor allem in der Politik, fest etabliert. Geht es um Geflüchtete, nicht. Es wirkt.

Masseneinwanderung
"Flüchtlinge" in Anführungszeichen
Außengrenzen wirksam schützen
Verteilungsfrage
Bedrohung der Gesellschaft

Fakten bekommen durch die Worte, in die sie gekleidet sind, eine Bedeutung. So wird die Perspektive auf diese Fakten gesetzt und durch Wiederholung eingebrannt. Worte sind mächtig, die Wortwahl immer bedeutsam. Mein Wunsch: Achtgeben auf die Worte, vor dem Sprechen noch mal denken, menschenfreundlich und menschenwürdig. Das wirkt!

 

 

 

 

Erstellt von Stephanie Borgert am 26. Juli 2018 - Keine Kommentare


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